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Immer wieder IRAN 

Wer einmal ohne Vorurteil in Iran war, der wird uns zustimmen: Immer wieder Iran. Sie ist mit Worten kaum zu beschreiben, die Faszination über eines der landschaftlich schönsten und kulturhistorisch interessantesten Länder dieser Erde. Ihr glaubt das nicht? Nun ja, dann werft einen kleinen Blick in den Film oder schaut Euch ein paar Fotos an. Was man alles in Iran erleben und sehen kann, das beschreibt unser etwas anderes Reisetagebuch "IRAN-selbst erlebt". Neugierig geworden? Na dann los...  

 

Der andere Iran

Oder: Warum man ihn so nicht sehen will

Sie ärgern uns schon eine ganze Weile, die nur negativ gefärbten Meldungen zu Iran. Mal abgesehen davon, dass uns die verhängten Sanktionen ganz persönlich getroffen haben, obwohl sie ja nicht für Touristen gedacht waren, scheint eine realistische Berichterstattung nicht gewünscht zu sein. Ohne jegliche Beweise, nimmt man die tollkühnsten Vermutungen, benutzt falsche Übersetzungen, um Stimmung gegen Iran zu machen.

Das Szenario erinnert an den Start des Krieges gegen Irak. Auch hier gab es keine Beweise. Wo all das hinführen soll ist klar: Die Bevölkerung in allen Staaten der Welt auf einen ja so  "notwendigen" Krieg gegen Iran vorzubereiten. Immer enger versucht man die Daumenschrauben mittels Sanktionen und Isolation Irans aus der Weltwirtschaft anzuziehen. Dabei reden alle Politiker immer davon, verhandeln zu wollen. Es ist nicht nur undiplomatisch, sondern in höchstem Masse arrogant, wie man Iran gegenüber auftritt. Will man denn wirklich verhandeln? Will man sich tatsächlich mit Iran auf Augenhöhe an einen Tisch setzen, Iran als gleichberechtigten Partner anerkennen? Was ärgert die Amerikaner, Briten, Franzosen und uns Deutsche so an Iran? Ist es vielleicht die persische Mentalität, sich nichts vorschreiben zu lassen, eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten? Oder ist es der Nationalstolz der Iraner? Ja. Aber vor allem die Forderung der Iraner, sie als gleichberechtigtes eigenständiges Volk am Verhandlungstisch zu akzeptieren, sie anzuhören und vor allem ihnen die Chance zu geben, Vorschläge zu unterbreiten und nicht nur Forderungen zu befehlen, die nicht einmal im Ansatz akzeptiert werden können.

 Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben wie so viele andere Staaten auch, die längst Atomwaffen besitzen. Damit ist Iran berechtigt, Atomenergie zu friedlichen zwecken zu nutzen. Oder sollte man an Staaten erinnern, die Atombomben gebaut haben und sich strickt weigern, den Vertrag anzuerkennen, wie Israel? Sollte man nicht endlich mit Vertrauen an den Verhandlungstisch gehen, wenn man keine Beweise hat? Sanktionen haben noch nie Erfolge erzielt. Sie verhärten nur die Positionen auf beiden Seiten und betreffen  immer nur die Bevölkerung des Landes. Politische Größe und diplomatisches Geschick zeichnen sich durch vernünftige Vorschläge, durch ein Schritt für Schritt auf einander zugehen aus. Wir sind der Meinung, dass Iran dazu bereit wäre, wenn man ihm die Möglichkeit dazu gibt und nicht Forderungen stellt, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind.

Es ist eine Tatsache, dass die Briten den Iranern noch heute die Verstaatlichung der Ölindustrie durch den damaligen Ministerpräsidenten Mosadegh übel nehmen. Plötzlich waren Einnahmequellen und Machtbereiche verschwunden, denn die Iraner erhielten nur 10 Prozent der Gewinne aus der Ölindustrie. Und genau darum geht es heute, wenn mit allen Mitteln versucht wird, einen Grund zu finden, um in den Iran einrücken zu können.  Auch wenn der gesamten Welt die Regierungsform im Iran nicht gefällt, ändern können sie nur die Iraner selbst. Einfluss darauf nehmen kann man aber nur, indem man miteinander redet und nicht auf einander schießt. Iran hat kein Interesse am Krieg. Wozu auch? Noch heute beklagt fast jede iranische Familie einen Sohn, Vater, Bruder oder Ehemann aus dem Irak-Iran-Krieg.

Wir waren zwei Mal in Iran. 2008 für zwei Wochen und 2011 waren wir sechs Wochen quer durch Iran 10.000 Kilometer unterwegs. Was wir in dieser Zeit spürten war Wärme und Herzlichkeit, Offenheit und Neugier und trotz der Eingeschränktheit ihrer persönlichen Freiheiten, die die meisten jungen Leute beklagen, eine unerschütterliche Liebe zu ihrem Land.

Und da unsere Freunde unbedingt wissen wollten, wie es im Iran ist, haben wir eine DVD erstellt  und ein Buch geschrieben, die den anderen Iran zeigen. Den Iran, der mit seiner Jahrtausende alten Kultur historisch an Ägypten heranreicht, der mit dem Bergdorf Kandovan an Kapatokien erinnert, der auf dem Doshal bei Teheran eine der längsten Skipisten der Welt aufweist, in dem sich in der Wüste der heißeste Punkt der Erde befindet, der für seine Handwerkskunst und seine Teppiche bekannt ist. Doch wie kam es dazu?

Es ist im Jahr 2007. Mein Mann und ich sitzen durch einen Zufall mit einem iranischen Generalkonsul zusammen. Trinken Tee, knappern iranische Pistazien und reden. Reden über Gott und die Welt, die Kultur und Historie Irans, über die Landschaften des Landes, das ja nicht nur aus Wüste besteht. Reden auch über die große Politik. Die abschließende Frage, ob wir denn im Iran auch Urlaub machen würden, beantworte ich spontan mit „Warum nicht.“ 

Dieser so leicht dahin gesagte Satz sollte die kommenden Jahre bestimmen. 2008 machten wir es wahr, fuhren zu unserer Silberhochzeit in den Iran. Was das bei unseren Freunden und Bekannten auslöste, lässt uns auch heute noch Schmunzeln. Da kamen solche Fragen wie: Ist das nicht gefährlich? Müssen wir schon für das Lösegeld sammeln? Hoffentlich kommt ihr gesund zurück. Natürlich hatten wir uns informiert, im Internet nachgelesen und einen Reiseanbieter gesucht. Was wir fanden, waren Berichte von Menschen, die die Herzlichkeit, Offenheit und Höflichkeit der Iraner beschrieben, die begeistert von der Kultur und Landschaft waren.

  

So besuchten wir Mitteliran mit den historischen Städten Esfahan, Shiraz, Yazd, Kashan und dem Lehmdorf Abyaneh. Vorher begann ich Persisch zu lernen, eine Sprache, die wie Musik in den Ohren klingt. Wir fanden iranische Freunde, die uns immer und immer wieder einluden, sie zu besuchen. 2011 entschlossen wir uns dann, diese Einladung anzunehmen. Immer noch waren unsere deutschen Freunde skeptisch. Aber wir haben sechs Wochen im Iran gelebt, waren bei den Familien zu Hause, wissen, wie lebenslustig und temperamentvoll Iraner sind, haben Naturschönheiten und Gegenden in Iran gesehen, die Touristen so nicht sehen können, wurden immer freundlich und zuvorkommend behandelt und mit viel Neugierde und Fragen über Fragen überhäuft. Wieder ist ein Buch entstanden, das inzwischen gedruckt wurde. Ebenfalls  entstand eine DVD zum Buch.

 Unsere Erfahrungen waren grundsätzlich positiv. Sicher gibt es auch anderes. Eines braucht man aber trotzdem nicht zu haben, Angst davor, Urlaub im Iran, einem der schönsten und interessantesten Länder dieser Erde zu machen. Vielleicht ist der Austausch auf kulturellem und touristischem Gebiet ein erster Schritt, den so unheimlichen und grausam gezeichneten Iran einmal von einer anderen, einer spannenden und warmherzigen Seite, eben den anderen Iran,  kennen zu lernen.

Das soll keine endgültige politische Wertung sein, denn jedes Land dieser Erde hat mehr oder weniger gute Entwicklungsphasen durch gemacht. Überall auf der Welt gab und gibt es Menschenrechtsverletzungen, die nicht zu akzeptieren sind. Aber es sollte mit gleichem Maß gemessen werden. Und da ist der Iran nicht schlechter und nicht besser als manch anderer Staat, in dem Menschenrechtsverletzungen ebenfalls noch an der Tagesordnung sind, der aber auf der Beliebtheitsliste der Politiker ganz oben steht.

 

Siggis Videostudio  | asroeschke@web.de
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