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Welche Arroganz!

Oder: Wie man sich mit einem Interview  blamieren kann

Es war wie immer: Zwei drei Sätze, gut ausgewählt, um ein negative Bild malen zu können. Wer die kurzen Ausschnitte des als hoch wichtig angekündigten Interviews Klaus Klebers vom ZDF mit Ahmedinedschad gesehen hat, bekam selbst redend das übliche und gewollt negativ gefärbte Bild Irans geboten. Wer sich aber die Zeit genommen und das Interview in voller Länge gesehen hat, der musste zur Erkenntnis kommen, dass das ZDF entweder nicht vorbereitet oder einfach nur arrogant und überheblich an dieses Gespräch heran gegangen ist.

Bereits nach der ersten Frage, katapultierte sich Herr Kleber in die Rolle desjenigen, der befragt wurde, nämlich vom Präsidenten Ahmadinedschad selbst. Dieser nahm das Heft in die Hand  und brachte Herrn Kleber in die Verlegenheit, auf die rhetorische Frage, ob es denn rechtens sei, dass ein Land, das 250 atomare Sprengköpfe besitzt und nicht dem Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hat, ein anderes Land mit Krieg bedrohen darf, nur mit einem Schulterzucken zu antworten. Dann zwingt sich hier die Frage auf: Wenn ein Land nicht im Atomwaffensperrvertrag ist, hat es das Recht, Atomwaffen zu bauen und die Länder, die sich zur friedlichen Nutzung verpflichten, zu bedrohen? Irgendwie ist das doch schizophren! Dem einen Land unterstellt man, dass es die Atombombe bauen will und dem anderen gewährt man den Besitz solcher Massenvernichtungswaffen! Das entbehrt jeglicher Logik! Nun möchte man schon seit Jahren, diese und ähnliche Wahrheiten zur großen Weltpolitik nicht aus dem Munde des iranischen Präsidenten hören, möchte Iran ins politische Abseits drängen. Die Frage ist warum. Die Antwort darauf ist so kompliziert wie einfach. Mit der Verstaatlichung der Erdöl- und Erdgasindustrie begann das Dilemma. Plötzlich waren die lukrativen Einnahmen Großbritanniens und der USA versiegt, plötzlich hatten sich die Geister, die man in Person Ayatollah Khomeinis gerufen hatte, verselbständigt und begannen eine eigene, den Vereinigten Staaten von Amerika nicht hörige Politik zu betreiben. Und trotz unterschriebenem Atomwaffensperrvertrag, der nun einmal die friedliche Nutzung der Atomenergie den Unterzeichner Ländern zu gesteht, verdächtigt man Iran der militärischen Nutzung.

Ab der Frage, nach dem Zugang zu den iranischen Atomanlagen dreht sich das Gespräch im Kreis. Obwohl der iranische Präsident immer wieder erklärt, dass die Inspektoren von der Atomenergiebehörde Gelegenheiten hatten, die Anlagen zu inspizieren und die Berichte dieser Inspektionen immer das gleiche Ergebnis, nämlich nichts, erbrachten, ignoriert Herr Kleber diese Tatsachen. Ziemlich betreten sitzt er schweigend da und findet keine Worte dazu, dass iranische Wissenschaftler kaltblütig ermordet wurden. Dazu schweigt nicht nur Herr Kleber und das ZDF, sondern auch die Weltpresse!

Es ist und bleibt eine höchst undiplomatische Haltung Irans zum Holocaust.  Das Verbrechen des Hitlerregimes im 2. Weltkrieg an den Juden ist nicht zu leugnen. Nur berechtigt dieser am jüdischen Volk verübte Massenmord, dass Israel heute Verbrechen an anderen Nationen begeht? Warum fühlt sich Israel von Iran bedroht? Dem Iran, der für viele Juden auch eine Heimat ist? Was treibt Israel zu dieser Politik? Die Antwort fällt schwer. Iran hat seit mehr als 250 Jahren keine Kriege mehr gegen ein anderes Volk begonnen. Stets war es Iran, das sich gegen andere zur Wehr setzen musste, waren es die Iraner, von denen kaum eine Familie nicht einen geliebten Menschen im Irak-Iran-Krieg beklagen musste.

Mit Iran zu verhandeln, vermittelt das Interview, sei schwer. Ja, wenn man es wie das deutsche Fernsehen macht, sich sein Reporter nicht vorbereitet, nichts über die persische Mentalität weiß, nicht einmal weiß, dass man dort Farsi und nicht Arabisch spricht und sich Herr Kleber mit dem arabischen „shukran“ bei Ahmadinedschad für das Gespräch bedankt, dann mag es wohl schwer sein, die Iraner zu verstehen. Dabei hätte ein Einfaches „merci“, dass im Iran auch danke heißt, ausgereicht.

Dieses Interview zeugte einmal mehr von der Arroganz westlicher Medien mit dem Iran umzugehen. Es ist einfach nur peinlich, den hilflos wirkenden ZDF Reporter zu sehen, der den rhetorisch ausgefeilten Antworten und logischen Fragen des iranischen Präsidenten nicht gewachsen war. Wieder einmal ging es nicht um ein klärendes Gespräch, ging es nicht darum, dem Iran zuzuhören. Nein, wieder einmal sollte ein weiterer kleiner Schritt zu Akzeptanz eines Krieges gegen Iran bei der Mehrheit der Bevölkerung gegangen werden.

Und obwohl selbst der amerikanische Geheimdienst keine Beweise für den Bau einer iranischen Atombombe finden kann, nehmen die Anschuldigungen nicht ab, versucht man mittels Sanktionen Iran zu bevormunden.

Schade, dass man dieser großen und traditionsreichen Nation Iran, nicht seine Eigenständigkeit und Selbständigkeit zubilligt, dass man nicht bereit ist, die andere Kultur kennen und verstehen zu lernen.

Siggis Videostudio  | asroeschke@web.de
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